November 2025

Wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt…
Unsere Bilanz nach 6 Jahren Arbeit in der Landessynode fällt ernüchternd aus. Wir konnten über den Arbeitskreis „Gemeinde unterwegs“ und über den Finanzausschuss zwar einiges auf den Weg bringen, aber wirklich bewegt hat sich doch nur wenig zugunsten der Gemeinden vor Ort. Das lag hauptsächlich an den Mehrheitsverhältnissen in der Synode. Zwar betonen die meisten Synodalen in ihren Reden die Wichtigkeit der Ortsgemeinden, folgen dann bei den Abstimmungen aber doch der vom Landeskirchenamt vorgegebenen Richtung. So wurden fast alle Vorlagen aus den Abteilungen des LKA mit großer Mehrheit angenommen, gleichzeitig aber viele Eingaben aus den Kirchengemeinden und Dekanatsbezirken abgelehnt oder stark verändert. Immerhin konnten wir manchmal erreichen, dass die Belange der Ortsgemeinden wenigstens thematisiert und kleinere Verbesserungen beschlossen wurden.

Thema Konzentration
Unter dem Motto „Profil und Konzentration“ ist die Synode vor 6 Jahren angetreten. Die Betonung einer „Konzentration“ der Arbeit unserer Kirche (in dem Sinn, dass man mit weniger Mitteln und Personal zurechtkommen muss) lag dabei sehr stark auf dem Gebiet der Kirchengemeinden vor Ort. Wir haben mit wenigen anderen Synodalen dafür gesorgt, dass auch die anderen Bereiche und Ebenen in unserer Kirche mit in den Blick genommen werden. „Was wollen, was können wir uns in Zukunft noch leisten?“, so haben wir gefragt und dabei auch die Werke und Dienste, die unzähligen Beauftragten, die Freizeit- und Bildungshäuser und schließlich auch die Zentrale im Landeskirchenamt mit auf die Agenda gesetzt. Allerdings wurde nur ein einziges Bildungshaus unserer Kirche, das in Rothenburg ob der Tauber inzwischen aufgegeben. Nur ein einziges! Und daneben die Stelle eines Regionalbischofs, einer Regionalbischöfin.

Natürlich muss man fairerweise darauf hinweisen, dass der Prozess in allen Bereichen im Gange ist und mit weiteren Reduktionen zu rechnen ist. Aber im Vergleich dazu, wie schnell auf der Ebene der Gemeinden und Dekanatsbezirke Einsparungen vorgenommen wurden und noch immer werden, verläuft der Prozess auf allen anderen Ebenen eher schleppend. Die neue wirkungsorientierte Haushaltssystematik behält diesen Prozess zwar im Blick, indem sie darauf achtet, welche Wirkung die verschiedenen Handlungsfelder und -ebenen unserer Kirche entfalten. Aber mit den ersten Auswirkungen dieser Systematik ist doch erst in ein paar Jahren zu rechnen.

Wir hätten uns gewünscht dass man sich mutig von einigen finanziellen Schwergewichten verabschiedet, um wieder Spielraum zu haben für die inhaltliche Arbeit nahe bei den Menschen.

Thema Einsparungen beim Personal
Personalkosten sind, wie in jedem anderen Unternehmen, der größte Ausgabeposten unserer Kirche. Nun sind wir aber kein Unternehmen! Wir leben von Menschen, die sich berufen fühlen, unter Hintanstellung eigener Bedürfnisse die Botschaft von der Liebe Gottes weiter zu sagen und zu leben. Wo setzt man diese Menschen am besten ein?

In den Gemeinden erleben wir eine nicht dagewesene Ausdünnung des hautamtlichen Personals (was durch immer mehr Belastung durch Ehrenamtliche aufgefangen werden soll), durch viele Eintritte in den Ruhestand, mangelnden Nachwuchs und durch Einsparungen sowie Zusammenlegungen von Gemeinden.

Demgegenüber haben wir festgestellt, dass in den vergangenen Jahren die Personalkosten im Landeskirchenamt stetig gestiegen sind. Und Grund dafür waren nicht allein die Tarifsteigerungen. Wie kann das sein? Müsste nicht das Landeskirchenamt mit gutem Beispiel vorangehen? Auch um dem Verdacht zu entgehen, sich als Verwalter der Einnahmen selber zu bedienen?

Thema Schwerpunkte
5 Schwerpunkte hat die Synode in dieser Periode für die zukünftige Arbeit festgelegt. Ein einziger Schwerpunkt betrifft die inhaltliche Arbeit: Spiritualität. Davon ist allerdings neben allen Strukturdebatten wenig zu hören. Und das ist nach unserer Einschätzung nicht verwunderlich. Denn die Kräfte in den Gemeinden und Dekanatsbezirken werden gebunden durch endlose Sitzungen und Debatten zur Strukturreform (mit den geplanten „Nachbarschaftsräumen“ werden diese fröhlich weitergehen…!) und durch all die geforderten Konzeptionen zu Klimaschutz, sexualisierter Gewalt, Immobilienmanagement usw. Alles äußerst aufwendige Prozesse, die viel Zeit und Energie in den Gemeinden binden. Wir beobachten viel Frustration und Resignation bei Haupt- und Ehrenamtlichen. Erstaunlich und erfreulich, dass trotz allem das Feuer der Begeisterung für inhaltliche Arbeit vor Ort in vielen Gemeinden noch brennt. Irgendwie begeistert der Heilige Geist, der Geist Gottes, trotz aller von oben angeordneten Reformen noch Menschen vor Ort, die ihre Gemeinden gestalten und lebendig erhalten. Darauf müsste unsere Kirchenleitung in Zukunft mehr achten, DIESES Engagement müsste kräftig unterstützt werden!

Es wäre dringend an der Zeit, nachzufragen, was Haupt- und Ehrenamtliche noch so engagiert und lebendig erhält in schwierigen Zeiten und was man daraus lernen kann für den zukünftigen Weg unserer Kirche.

Ob es der neuen Synode gelingt, das Ruder herumzureißen und den Inhalten mehr Raum zu geben durch echte „Konzentration“ auf allen Ebenen und eine faire Verteilung der verbliebenen Ressourcen?

Sie haben als Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher die Wahl durch ihre Vertreter/innen in der Landessynode. Fragen Sie nach, welchen Stellenwert die Gemeinde vor Ort für die Kandidierenden hat und nehmen Sie die verordneten Veränderungen nicht einfach als gottgegeben hin.

Wir wünschen Ihnen eine gute Entscheidung und der neuen Synode Gottes reichen Segen!

Jürgen Blechschmidt, Pfr.i.R.
Karl-Friedrich Wackerbarth, Pfr.i.R.


Ansprechpartner: 

Dr. Gerhard Schoenauer
1. Vorsitzender des Gemeindebundes
Karl-Hertel-Straße 4a
90475 Nürnberg
0176-30767942
gerhard.schoenauer@elkb.de

Prof. Dr. Reinhold Friedrich
2. Vorsitzender des Gemeindebundes
Am Alten Sportplatz 4
91781 Weißenburg
0160-93074302
friedrich.reinhold@web.de

Pfr. Karl Wackerbarth
Kassier des Gemeindebundes und Synodaler
Brandnerweg 2
83229 Aschau im Chiemgau
0173-3846238
karl-friedrich.wackerbarth@elkb.de 


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