Januar 2026

Ruhe sanft!?

Nun ist sie also unter der Erde, die Kirchengemeinde vor Ort; sang- und klanglos beerdigt mit den Beschlüssen der Herbstsynode zur neuen Landesstellenplanung. Wir vom Gemeindebund haben es schon lange geahnt und befürchtet – damals, als vor 10 Jahren der PuK-Prozess verabschiedet wurde. Wir haben gefragt, ob damit die die Ortsgemeinde Stück für Stück aufgelöst werden soll. Und wir wurden beschwichtigt von allen Seiten, ja, man war sogar empört über solche Unterstellungen. Jetzt löst also die Regionalgemeinde die Ortsgemeinde ab. Was der Gemeinde vor Ort bleibt, ist der Status einer eigenständigen Körperschaft (aber auch das möchte man zugunsten der Regionalgemeinde am liebsten auflösen), ihr materieller Besitz und das Engagement der ehrenamtlich Mitarbeitenden für ihre Kirche und Gemeinde. Der Zug ist auf dem Gleis und ist nun nicht mehr aufzuhalten! Unsere Versuche, im Vorfeld u.a. in der Synode die Weichen doch noch einmal anders zu stellen, sind still und leise versandet (worden):

Tagungshäuser
Mit dem Beschluss, Wildbad Rotenburg zu schließen, ist von dem Prozess der Effizienzüberprüfung der übrigen Tagungs- und Bildungshäuser nichts mehr zu hören.

Werke und Dienste
Eine Flut von Angeboten überschwemmt die analogen und digitalen Briefkästen der Pfarrämter. Ob die Nachfrage in der Flut von Angeboten tatsächlich gegeben ist, wird nicht kontrolliert. Eine entsprechende Prüfanfrage kam über den Status einer Arbeitsgruppe nicht hinaus.

Beauftragungen und Sonderstellen
Was können und wollen wir uns in Zukunft im Sinne der Konzentration noch leisten, hatten wir gefragt. Wir brauchen bei rückläufigem Personal die Menschen vor Ort. Halbherzig wurde der Prozess auf den Weg gebracht und geriet in Vergessenheit.

All diese Versuche, den Haushalt bei zurückgehenden Einnahmen mit größeren Posten zu entlasten, um Gelder frei zu bekommen für die Aufbauarbeit vor Ort, fielen den sehr unterschiedlichen Interessen der Synode zum Opfer. Die Beteuerungen, dass natürlich die Gemeinde vor Ort die Basis unserer Kirche sei, haben sich als wenig glaubhaft erwiesen. Und so kommt nun doch das Rasenmäher-Prinzip zum Einsatz, weil wir uns – außer von der Gemeinde vor Ort – von nichts trennen wollen: 25 % weniger auf allen Ebenen. Wirklich allen Ebenen? In Gemeinden und Dekanatsbezirken gibt es jedenfalls 25 % weniger Personal, auf allen anderen Ebenen 25 % vom Budget. Seltsam…. Und genau so ist nun auch gewollt. Die angebliche Alternativlosigkeit dieses Weges wird gebetsmühlenartig unter die Leute gebracht, damit es am Ende auch die und der Letzte glauben möge. „Wir haben ja keine andere Wahl“, heißt es immer wieder. Nein! Wir hätten im Vorfeld viele Wahlmöglichkeiten gehabt. Aber viele Entwicklungen sind hausgemacht. Die Einbrüche beim theologischen Personal sind der mangelnden Bereitschaft geschuldet, das Studium der Theologie grundlegend zu reformieren. Auch eine Willkommenskultur für junge Menschen, die in unserer Kirche eine berufliche Zukunft suchen, wurde weder entwickelt, noch gelebt. Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde den Vikarinnen und Vikaren im Predigerseminar mitgeteilt, dass vielleicht nicht alle eine Anstellung bekommen. Und wo das Horrorszenario einer rapiden schrumpfenden Kirche immer wieder an die Wand gemalt wird, sinkt auch ebenso rapide die Attraktivität der eigenen Glaubensgemeinschaft.

Ich will mich nun dem scheinbar Unabänderlichen nicht einfach fügen. Der Prozess der Regionalgemeinden ist auf dem Weg, ja. Aber trotzdem lohnt es sich, weiter zu kämpfen, um so viel wie möglich an personellen und finanziellen Ressourcen vor Ort zu erhalten. Eine Möglichkeit dafür ist die Gründung eines Gemeindevereins. Die Gelder, die dort eingehen, sind dem Zugriff anderer Stellen entzogen. Und Einige, die aus der Kirche ausgetreten sind, weil sie sich mit der Institution nicht mehr identifizieren können, sind sehr wohl bereit, sich für ihren Ort, ihre Kirche, ihre Gemeinde auch finanziell zu engagieren. Einen Satzungsvorschlag für einen Gemeindeverein werden wir in Kürze auf unserer Homepage zum Herunterladen einstellen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dem Gemeindebund beizutreten. 132 Gemeinden sind bereits bei uns Mitglied und es werden wöchentlich mehr. Je stärker wir sind, desto unüberhörbarer wird unsere Stimme sein.

Und eines tröstet mich: Der auferstandene Christus ist noch immer der Herr seiner Kirche. Er wird sie weise lenken und leiten. Und bekanntlich vermag er, auch auf krummen Zeilen gerade zu schreiben…

Aschau, Januar 2026
Karl-Fr. Wackerbarth


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